Die reale Rendite zeigt, wie sich die Kaufkraft einer Anlage nach Berücksichtigung der Inflation verändert. Sie kann trotz hoher Inflation positiv sein, aber auch bei einem nominalen Gewinn negativ ausfallen.
Die Kennzahl trennt den Zuwachs in Geldeinheiten vom Zuwachs dessen, was sich damit kaufen lässt. Sie beschreibt ein Ergebnis, während das Verhältnis von Risiko und Rendite auch die Unsicherheit auf dem Weg dorthin berücksichtigt. Die reale Rendite bleibt eine Schätzung, weil der gewählte Preisindex nicht genau zum Ausgabenmuster eines Anlegers passen muss.[1]
Ein nominaler Gewinn erhöht nicht immer die Kaufkraft
Die nominale Rendite misst die prozentuale Veränderung des Geldwerts einschließlich der berücksichtigten Erträge. Steigt eine Anlage innerhalb eines Jahres von 1.000 € auf 1.060 €, beträgt ihre nominale Rendite 6 %.
Steigt das Preisniveau im selben Jahr um 4 %, kaufen die 1.060 € am Jahresende zwar mehr als die 1.000 € zu Beginn, aber nicht 6 % mehr. Ein Teil des nominalen Gewinns gleicht nur die höheren Preise aus.
Die reale Rendite macht Anlageergebnisse und künftige Ausgaben besser vergleichbar. Sie verändert den Kontostand nicht, sondern drückt ihn in Einheiten mit vergleichbarer Kaufkraft aus.
Die exakte reale Rendite berechnen
Die genaue Rechnung teilt den Wachstumsfaktor der Anlage durch den Wachstumsfaktor des Preisniveaus:
wobei
die reale Rendite im betrachteten Zeitraum
die nominale Rendite im selben Zeitraum
die Inflationsrate im selben Zeitraum
Bei 6 % nominaler Rendite und 4 % Inflation lautet die Rechnung 1,06 geteilt durch 1,04, minus 1. Die exakte reale Rendite beträgt rund 1,92 %.
Als Faustformel wird oft die Inflation von der nominalen Rendite abgezogen. Im Beispiel ergeben 6 % minus 4 % einen Näherungswert von 2 %. Bei höheren Raten wächst die Abweichung, weil die genaue Formel Wachstumsfaktoren teilt, statt Prozentsätze voneinander abzuziehen.
Beide Werte müssen denselben Zeitraum abdecken und nach passenden Regeln berechnet sein. Eine Monatsrendite mit einer Inflationsrate gegenüber dem Vorjahresmonat zu verrechnen, ergibt keine brauchbare reale Rendite.
Negative reale Renditen und fallende Preise
Eine reale Rendite kann auf mehreren Wegen negativ werden:
Die Anlage verliert an Wert, während die Preise steigen.
Die nominale Rendite ist positiv, liegt aber unter der Inflationsrate.
Die Anlage fällt bei Deflation stärker als das Preisniveau.
Eine nominale Rendite von 3 % und eine Inflationsrate von 5 % ergeben zum Beispiel rund minus 1,90 % reale Rendite. Auf dem Konto liegt mehr Geld, doch gemessen am gewählten Index kauft es weniger.
Fällt das Preisniveau um 2 %, während der nominale Wert einer Anlage gleich bleibt, beträgt die reale Rendite rund 2,04 %. Das unveränderte Geld kauft beim niedrigeren Preisniveau mehr. Eine positive reale Rendite beschreibt trotzdem nicht alle wirtschaftlichen Folgen einer Deflation.
Der passende Preisindex hängt vom Zweck ab
Ein breiter Verbraucherpreisindex passt zu Vergleichen der allgemeinen Kaufkraft von Haushalten. Für eine Pensionskasse, ein Unternehmen oder einen Haushalt mit ungewöhnlicher Ausgabenstruktur kann ein anderer Maßstab sinnvoller sein.
Jeder Index setzt Grenzen:
Die veröffentlichte Inflationsrate steht für eine definierte Bevölkerungsgruppe, nicht für die Einkäufe einer einzelnen Person.
Indizes behandeln Wohnkosten und Qualitätsänderungen unterschiedlich.
Währung und Region sollten möglichst zu den geplanten Ausgaben passen.
Statistikämter können gemeldete Daten später überarbeiten.
Eine reale Rendite sollte deshalb den verwendeten Preisindex nennen oder zumindest erkennen lassen. Ohne diesen Bezug wirkt die Zahl allgemeingültiger, als sie ist.
Brutto, netto, vor und nach Steuern
"Real" bedeutet nur, dass die Inflation berücksichtigt wurde. Daraus folgt nicht, dass Gebühren oder Steuern bereits abgezogen sind.
Vergleichskriterium
Reale Bruttorendite
Reale Nettorendite
Anlagekosten
In der Regel vor den genannten Kosten
Nach den genannten Kosten
Inflation
Bereinigt
Bereinigt
Steuern
Nur wenn ausdrücklich genannt
Nur wenn ausdrücklich genannt
Für einen sauberen Vergleich muss klar sein, ob die nominale Rendite Fondsgebühren, Handelskosten, Beratungskosten und Steuern enthält. Die steuerliche Behandlung hängt von Rechtsordnung und persönlichen Umständen ab. Zwei Werte mit der Bezeichnung "reale Rendite" können daher verschiedene Fragen beantworten.
Einzahlungen und Auszahlungen erschweren die Rechnung zusätzlich. Zunächst muss eine geeignete Performancemethode den Anlageerfolg von externen Zahlungsströmen trennen. Erst danach lässt sich diese Rendite um Inflation bereinigen.
Häufig gestellte Fragen
Ja. Wenn das gemessene Preisniveau fällt, kann die reale Rendite höher als die nominale Rendite
ausfallen.
Bei niedrigen Raten ist die Subtraktion eine brauchbare Näherung. Die exakte Formel teilt jedoch
eins plus nominale Rendite durch eins plus Inflationsrate.
Nicht zwingend. Sie ist um Inflation bereinigt. Ob Gebühren oder Steuern enthalten sind, hängt
von der verwendeten nominalen Rendite ab und muss gesondert angegeben oder geprüft werden.
Die Rate muss denselben Zeitraum abdecken und die für den Zweck relevante Kaufkraft abbilden.
Ein breiter Verbraucherpreisindex ist üblich, passt aber nicht genau zu jedem Haushalt oder
jeder Institution.