Inflation
Ein breiter Preisanstieg, der die Kaufkraft des Geldes im Zeitverlauf verringert.
- Veröffentlicht
- Aktualisiert
- Geprüft
- Schwierigkeitsgrad
- Einstieg
- Redaktionelle Verantwortung
- Finance Repository Editorial Team
- Geprüft von
- JH
- Überblick
- Ein einzelner Preisanstieg ist noch keine Inflation
- Wie ein Preisindex Inflation messbar macht
- Inflation verringert die Kaufkraft des Geldes
- Warum die persönliche Teuerung abweichen kann
- Was die Inflationsrate nicht vollständig zeigt
- Nominale und reale Werte auseinanderhalten
- Häufig gestellte Fragen
Überblick
Inflation beschreibt einen breiten Anstieg des allgemeinen Preisniveaus über einen bestimmten Zeitraum. Dadurch verliert Geld an Kaufkraft.
Eine einzelne Preiserhöhung ist keine Inflation. Die Inflationsrate fasst zusammen, wie sich viele Preise für eine festgelegte Bevölkerung, einen Warenkorb und einen Zeitraum gemeinsam verändern.
Ein einzelner Preisanstieg ist noch keine Inflation
Preise verändern sich laufend. Ein knappes Gut kann teurer werden, während andere Waren günstiger werden oder unverändert bleiben. Von Inflation spricht man erst, wenn die Preise von Gütern und Dienstleistungen auf breiter Basis steigen.[1]
Diese Unterscheidung erklärt, warum eine stark gestiegene Stromrechnung oder ein günstiger gewordenes Smartphone allein wenig über die gesamte Inflation aussagt. Für die Messung werden viele Preise zusammengeführt. Gegenläufige Preisbewegungen können sich dabei teilweise ausgleichen.
Das Gegenteil eines anhaltenden Rückgangs des allgemeinen Preisniveaus heißt Deflation. Eine niedrigere positive Inflationsrate ist dagegen keine Deflation: Wenn die Rate beispielsweise von 4 % auf 2 % fällt, steigen die Preise im Durchschnitt weiterhin, nur langsamer. Dieser Rückgang der Inflationsrate wird häufig als Disinflation bezeichnet.
Wie ein Preisindex Inflation messbar macht
Statistische Stellen bilden einen Warenkorb aus Gütern und Dienstleistungen, die private Haushalte konsumieren. Dazu können Lebensmittel, Kleidung, Energie, Mieten, Versicherungen und andere Dienstleistungen gehören. Die Preise dieses Warenkorbs werden regelmäßig erhoben und zu einem Preisindex zusammengeführt.[1]
Nicht jede Position erhält das gleiche Gewicht. Ausgabenkategorien, für die Haushalte im Durchschnitt einen größeren Teil ihres Budgets verwenden, beeinflussen den Index stärker als seltene oder geringe Ausgaben. Ändern sich Konsumgewohnheiten, müssen auch Auswahl und Gewichtung des Warenkorbs regelmäßig angepasst werden.
Eine vereinfachte Inflationsrate lässt sich aus zwei Indexständen berechnen:
wobei
- die Inflationsrate in Prozent
- der Preisindex im betrachteten Zeitraum
- der Preisindex im Vergleichszeitraum
Steigt ein Index beispielsweise von 120 auf 123, beträgt die Veränderung 3 Indexpunkte. Bezogen auf den Ausgangswert von 120 entspricht das einer Inflationsrate von 2,5 %. Der Anstieg um 3 Indexpunkte darf nicht mit einem Anstieg um 3 % verwechselt werden.
Welche Rate ausgewiesen wird, hängt auch vom Vergleichszeitraum ab. Eine Jahresrate vergleicht häufig einen Monat mit demselben Monat des Vorjahres. Eine Monatsrate vergleicht dagegen zwei aufeinanderfolgende Monate. Beide Zahlen können gleichzeitig korrekt sein, beantworten aber unterschiedliche Fragen.
Inflation verringert die Kaufkraft des Geldes
Wenn das allgemeine Preisniveau steigt und das verfügbare Einkommen unverändert bleibt, kann damit im Durchschnitt weniger gekauft werden. Inflation steht deshalb unmittelbar mit der Kaufkraft in Verbindung.
Angenommen, ein repräsentativer Warenkorb kostet heute 100 € und ein Jahr später 103 €. Die gemessene Inflationsrate beträgt 3 %. Mit 100 € lässt sich dann nicht mehr der vollständige Warenkorb kaufen. Das Beispiel beschreibt einen Durchschnitt und keine Aussage darüber, wie sich jedes einzelne Produkt verteuert hat.
Über mehrere Jahre wirken aufeinanderfolgende Preissteigerungen auf das jeweils bereits erhöhte Preisniveau. Steigt dieses in zwei aufeinanderfolgenden Jahren jeweils um 3 %, liegt es danach nicht 6 %, sondern rund 6,1 % über dem Ausgangswert. Die zweite Veränderung bezieht sich auf ein höheres Niveau.
Warum die persönliche Teuerung abweichen kann
Ein offizieller Verbraucherpreisindex beschreibt die durchschnittliche Preisentwicklung eines festgelegten Warenkorbs. Einzelne Haushalte kaufen jedoch unterschiedliche Dinge und geben dafür unterschiedliche Anteile ihres Budgets aus. Wer besonders viel für eine stark verteuerte Kategorie ausgibt, kann eine höhere persönliche Teuerung erleben als der Index ausweist; bei anderen Haushalten kann sie niedriger sein.[1]
Auch häufige Einkäufe fallen stärker auf als seltene Zahlungen. Deshalb kann die wahrgenommene Inflation von der statistisch gemessenen Rate abweichen. Die Abweichung macht den Index nicht automatisch falsch: Index und persönliche Erfahrung messen unterschiedliche Ausgabengewichte.
Was die Inflationsrate nicht vollständig zeigt
Jeder Preisindex beruht auf methodischen Entscheidungen. Dazu gehören die Auswahl der erfassten Produkte, ihre Gewichtung, der Umgang mit Qualitätsänderungen und die Abgrenzung von Wohnkosten. Verschiedene Indizes können deshalb für denselben Zeitraum unterschiedliche Raten ausweisen, ohne dass eine davon zwingend fehlerhaft ist.
Auch Veränderungen der Produktqualität erschweren Vergleiche. Wird ein Gerät teurer, bietet aber zugleich deutlich mehr Leistung, ist nicht der gesamte Preisunterschied reine Teuerung. Statistische Verfahren versuchen, solche Qualitätsänderungen zu berücksichtigen; die dafür nötigen Schätzungen bleiben jedoch eine Quelle von Messunsicherheit.
Die Inflationsrate erklärt außerdem nicht allein, warum Preise steigen. Höhere Produktionskosten, starke Nachfrage, Lieferengpässe, Wechselkursbewegungen und politische oder wirtschaftliche Schocks können gleichzeitig wirken. Ihre Bedeutung unterscheidet sich nach Zeitraum und Wirtschaftsraum.
Nominale und reale Werte auseinanderhalten
Nominale Werte werden in laufenden Geldeinheiten angegeben. Reale Werte berücksichtigen dagegen die Veränderung des Preisniveaus. Diese Unterscheidung hilft, Veränderungen der Kaufkraft zu beurteilen.
Steigt ein Einkommen nominal um 2 %, während das relevante Preisniveau um 3 % steigt, hat sich die Kaufkraft näherungsweise verringert. Die exakte reale Veränderung wird durch Division der Wachstumsfaktoren berechnet und beträgt in diesem Beispiel rund −1 %. Ebenso sollte bei Ersparnissen oder Anlagen zwischen nominaler und realer Rendite unterschieden werden.
Inflation allein bestimmt jedoch nicht, wie sich ein Haushalt oder eine Anlage entwickelt. Entscheidend sind unter anderem die tatsächlich relevanten Ausgaben, Einkommensänderungen, Steuern, Kosten und die erzielte nominale Rendite.
Häufig gestellte Fragen
Nein. Einzelne Preise können steigen, fallen oder unverändert bleiben. Inflation bezeichnet eine breite Veränderung des allgemeinen Preisniveaus.
Nein. Eine niedrigere positive Inflationsrate bedeutet, dass das Preisniveau langsamer steigt. Erst eine negative Inflationsrate beschreibt einen Rückgang des allgemeinen Preisniveaus.
Haushalte haben unterschiedliche Ausgabenmuster. Weichen die eigenen Ausgaben stark vom durchschnittlichen Warenkorb ab, kann auch die persönliche Teuerung von der veröffentlichten Rate abweichen.
Inflation beschreibt die Veränderung des allgemeinen Preisniveaus. Kaufkraftverlust ist eine mögliche Folge: Bei unverändertem Geldbetrag können im Durchschnitt weniger Güter und Dienstleistungen gekauft werden.
Weiterlernen
Quellen
- [1]What is inflation?
European Central Bank↩